Fahrradstadt Kiel

 Fahrradstadt Kiel

Was macht Kiel besonders gut in der Fahrradpolitik und wie wurde sie zur Fahrradstadt


Laut Wikipedia (20.01.2020, 17:32 Uhr) ist eine Fahrradstadt eine Stadt, in der dem Radverkehr eine besonders große Bedeutung zukommt. Eine große Bedeutung kann zum einen sein, dass ein überdurchschnittlicher Anteil der Bevölkerung das Rad als bevorzugtes Verkehrsmittel nutzt (diese Perspektive manifestiert sich folglich von Seiten der Bevölkerung) oder, dass Stadtverwaltung und Politik dem Radfahren eine besonders große Bedeutung beimessen (diese Perspektive zeugt folglich eher dem politischen Handeln und der Stadtplanung). Doch leider liegt hier auch schon gleich ein Hund begraben, denn diese Kriterien sind nicht eindeutig, wodurch jede Stadt damit werben kann "Fahrradstadt" zu sein, obwohl dies nicht der Fall ist. Daher bleibt es im Endeffekt am Radfahrer selbst zu recherchieren, ob eine Stadt nur damit wirbt oder tatsächlich Fahrrad freundlich ist.

Nachdem dies geklärt ist betrachten wir die designierte Fahrradstadt Kiel (Homepage der Stadt Kiel: www.kiel.de "Kiel ist eine Fahrradstadt" 20.01.2020 17:45 Uhr). Um dieser Aussage auf den Grund zu gehen nehmen wir zunächst die Umfrage des ADFC Fahrrad Klima-Test 2018 als erste Einschätzung (die 2020er Umfrage wird erst noch im Verlauf von 2021 veröffentlicht. Alle zwei Jahre findet diese Umfrage statt, die sich an Radfahrer aus ganz Deutschland, die 683 Städte und Gemeinden mittels eines Fragebogens bewerten können. Die Ergebnisse werden dann anhand der Städtegröße zusammengefasst und verglichen. Kiel liegt im Städteranking der Ortsgrößenklasse 200.000 - 500.000 Einwohner auf Platz 5, mit einer Note von 3,84 (zum Vergleich: Karlsruhe liegt auf Platz 1 mit einer Note von 3,15). Die Note hat sich somit im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert, liegt jedoch nach wie vor über dem Deutschlandschnitt von 3,93. Kiel scheint also wirklich nicht so schlecht dazustehen. Aber was hat Kiel, dass es so gut bewertet wird?

Laut der Internetseite der Stadt Kiel liegt die Nutzung des Fahrrads beim Kieler Bürger bei rund 21% der Wege. Dies wird mit dem fortschreitenden Ausbau der Fahrradinfrastruktur begründet. Hierbei setzt Kiel auf ein differenziertes Konzept bestehend aus Velorouten (werden gleich genauer erklärt), markierte Radstreifen, neue Fahrradwege, Schutzstreifen, Ausweisung von Fahrradstraßen und eine Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr. 

Ein Aushängeschild scheinen die sogenannten "Velorouten" zu sein: Diese verbinden die wichtigsten Punkte der Stadt miteinander. Davon gibt es mittlerweile 10 Stück. Diese gelten als autofrei, staufrei, klimafreundlich, naturnah, entspannt und sicher. Besonders der Aspekt eine Strecke zu haben, die getrennt vom Autoverkehr ist, scheint am Zahn der Zeit zu drehen: In der Umfrage des ADFC von 2018 gaben 81% der Befragten an, es sei wichtig oder sehr wichtig vom Autoverkehr getrennt zu sein. Doch nicht nur die Verbindungen von wichtigen Orten miteinander ist wichtig, sondern auch Orte wo die Fahrräder stehen können: Dies geht die Stadt Kiel mit den sogenannten "Kieler Bügeln" an (das sind diese Metall Bügel die im Boden verankert sind, wo man sein Fahrrad anschließen kann). Davon gab es in Kiel 2018 etwa 2.500 (aktuellere Zahlen habe ich leider nicht gefunden). Greenpeace Kiel kritisiert jedoch, das der Ausbau gerade in Nebenstraßen und abseits des Zentrums noch mangelhaft ist, ebenso scheint es noch nicht so viele überdachte und "sichere" (gemeint ist hier vielleicht beleuchtet und einsichtig...) Stellplätze gibt (Kiel, jetzt erst recht! Rückenwind für eine moderne Fahrradmobilität).

Wenn ich zusammenfassen müsste, dreht besonders der Gedanke der sicheren Fahrradroute, abseits des Autoverkehrs am Zahn der Zeit. Der Ausbau von sicheren Routen (auch und besonders für Kinder) sollte weiter im Mittelpunkt stehen, da der Aspekt der Sicherheit ein zentrales Problem der Fahrradfahrer zu sein scheint (natürlich auch besonders wenn man Ortsfremd ist). Trotzdem scheint es noch viel zu tun zu geben, besonders in der Peripherie und Abseits der Hauptrouten.

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